„Am Ende geht es immer um den Menschen“
PhD Koordinatorin Daniela Morick über Vertrauen, Kommunikation und gute Promotionsbedingungen
Daniela Morick ist PhD-Koordinatorin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns und Koordinatorin der Cologne Graduate School of Ageing Research. Im Interview erzählt sie von ihren vielfältigen Aufgaben - von der Begleitung der Doktorand*innen über Gesundheitsmanagement und Mediation bis hin zu der Frage, wie gute Kommunikation sichere und unterstützende Strukturen schaffen kann.
Daniela, wie würdest Du Deinen Job Deiner Familie erklären?
Meinen Kindern habe ich früher immer gesagt, ich bin so etwas wie die Schulleiterin in ihrer Schule nur für große Kinder. Ich kümmere mich darum, dass alle in den richtigen „Klassen“ starten können, dass gute Lern- und Arbeitsbedingungen herrschen und organisiere so etwas wie Stundenpläne, Veranstaltungen und Ausflüge. Und ein bisschen gehört auch dazu, zuzuhören, wenn jemand traurig ist, zu vermitteln, wenn es Konflikte gibt, und sich zu freuen, wenn jemand etwas richtig gut geschafft hat.
Du hast bei uns am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns viele Hüte auf, was machst Du sonst noch alles?
So viele Hüte sind es eigentlich gar nicht, aber ein paar schon. Ich engagiere mich ehrenamtlich im Gesundheitsmanagement am MPI. Das ist sehr erfüllend, weil wir dort Dinge anstoßen können, die das Wohlbefinden aller Mitarbeitenden verbessern: zum Beispiel Mitarbeitendenbefragungen organisieren, Maßnahmen gemeinsam mit Kolleg*innen diskutieren oder Gesundheitstage planen. Im Steuerkreis sprechen wir dann über Themen wie Achtsamkeitskurse, Yoga, Lauftraining und vieles mehr.
Eine meiner prägendsten Erfahrungen war tatsächlich die Zeit im Corona-Krisenstab, auch wenn das etwas makaber klingt. Aber dort konnten wir gemeinsam mit vielen Kolleg*innen Entscheidungen zu den Corona-Regeln am Institut treffen. Das war intensiv, verantwortungsvoll und sehr spannend.
Außerdem bin ich ausgebildete Mediatorin, Coach, Mental Health First Aider und biete einen Kommunikationskurs an. Das passt erstaunlich gut zu meiner Rolle als PhD-Koordinatorin und im Gesundheitsmanagement. Am Ende geht es in all diesen Rollen um Menschen, Kommunikation und gute Rahmenbedingungen.
Was wolltest Du als Kind einmal werden und wie bist Du hier gelandet?
Ich wollte schon vieles werden: Ärztin, Anwältin, Architektin, später dann Psychologin. Nach meinem Chemiestudium dachte ich eigentlich, ich gehe in die Industrie. Um ehrlich zu sein, hatte ich damals nicht gedacht, dass Wissenschaftsmanagement so gut zu mir passen würde. Als ich das Jobangebot bekam, war mein erster Gedanke: „Das ist doch kein richtiger Job für eine Chemikerin, die müssen sich geirrt haben.“ Tja, und heute ist es tatsächlich in vielerlei Hinsicht mein absoluter Traumjob geworden. Verrückt, oder?
Welche persönlichen Fähigkeiten außerhalb Deiner Ausbildung helfen Dir im Job?
Kreatives Chaos: In meinem Kopf war es schon immer ein bisschen chaotisch, aber genau daraus entstehen oft gute Ideen. Gleichzeitig musste ich dadurch früh lernen zu planen und mich zu strukturieren, und das hilft mir heute in meiner Arbeit sehr.
Diplomatie und Perspektivwechsel: Ich konnte mich schon immer gut in andere hineinversetzen. In meiner „Sandwichposition“ zwischen Doktorand*innen, PI’s und Verwaltung hilft das enorm. Wenn man versteht, warum Menschen dieselbe Situation ganz unterschiedlich sehen, kann man viel leichter gemeinsame Lösungen finden.
Neugier: Ich war schon immer neugierig und wollte neue Dinge lernen und ausprobieren. Das Schöne ist, dass ich viele Fortbildungen - vom Wissenschaftsmanagement bis zum Coaching - über das MPI machen konnte und viele neue Prozesse in der Graduiertenschule ausprobieren durfte. Manche haben super funktioniert, andere gar nicht. Aber aus allen habe ich unglaublich viel gelernt und dafür bin ich sehr dankbar, weil es auch viel Vertrauen bedeutet hat.
Welche drei Wörter beschreiben Deinen Arbeitstag am besten?
CECAD-Kaffee, bunte E-Mail-Tags, Safe Space, Figure-it-out-ability.
(Okay, das sind vier, aber ich habe Mathe auch extra nicht mit aufgeschrieben.)
Gibt es eine Situation an die du dich besonders gerne erinnerst?
Es gibt viele Gespräche, besonders mit unseren Doktorand*innen, die mir sehr viel bedeuten. Wenn Menschen etwas sehr Persönliches mit mir teilen, empfinde ich das als großen Vertrauensbeweis. Und wenn sie mir später erzählen, dass es ihnen besser geht oder dass sie etwas verändern konnten, freue ich mich unglaublich und bin stolz auf ihre Leistung.
Manchmal bekomme ich auch sehr nette E-Mails, in denen sich jemand bedankt. Die hebe ich alle auf, für schlechte Tage. Einmal hat mir ein Doktorand geschrieben, dass er sich in schwierigen Situationen manchmal fragt: „Was würde Daniela wohl machen?“ und dass ihm das hilft, Lösungen zu finden und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.
Ich glaube, mein Beitrag, „die Welt ein bisschen besser zu machen“, ist wahrscheinlich sehr klein. Aber wenn ich solche Dinge höre, bin ich einfach unglaublich dankbar, was und wen ich durch meine Rolle erreichen darf.
Wenn Du einen Tag „nur“ eine Deiner Aufgaben machen könntest, welche wäre das?
Dann würde ich wahrscheinlich eine Mediation leiten und coachen. Da machen andere die eigentliche Arbeit und ich stelle nur Fragen, bringe ein bisschen Ruhe rein und schlürfe meinen Kaffee. Aber im Ernst: Mediation und Coaching sind unglaublich kraftvolle Methoden, und ich finde diese Arbeit sehr erfüllend und sinnstiftend.
Gibt es etwas, das Du in den nächsten Jahren unbedingt starten oder verbessern möchtest?
Ich habe viele Ideen, manchmal vielleicht mehr, als der Kalender erlaubt. Aber trotzdem: Ich möchte mich weiterhin für gute Bedingungen für unsere Doktorand*innen einsetzen und Strukturen schaffen, in denen sie gut und sicher arbeiten können.
In den letzten Jahren haben wir zum Beispiel die Vertragslaufzeiten an die tatsächliche Promotionsdauer angepasst, die Betreuung vom Begutachtungsprozess getrennt sowie personalisierbare Betreuungsvereinbarungen zum Standard gemacht. Das sind wichtige Maßnahmen, um Prozesse in der Promotion transparenter zu gestalten und insgesamt die Bedingungen für Doktorand*innen zu verbessern.
Ich finde es sehr stark von unserem Management, dass hier so sensibel und vorausschauend gehandelt wird. Ich glaube, unser MPI ist in vielen Dingen schon ziemlich weit. Aber besser geht immer und ich bin sicher, wir werden noch den ein oder anderen blinden Fleck finden und wegputzen können.
Was motiviert Dich, auch an anstrengenden Tagen weiterzumachen?
Meinst du den Durchhalte-Kaffee? Nein, Spaß beiseite: Ich liebe es, Aufgaben zu gamifizieren. Wenn ich merke, dass meine Motivation sinkt, suche ich mir eine Aufgabe, die Spaß macht, zum Beispiel eine Schnitzeljagd für neue Doktorand*innen vorbereiten oder ein Video oder eine Animation für unseren LinkedIn-Kanal gestalten. Oder solche Interviewfragen beantworten.
Und ganz grundsätzlich motivieren mich die Menschen, mit denen ich arbeite. Ich lerne unglaublich viel von unseren Doktorand*innen: ihren Mut, ihre Kreativität, ihre Ausdauer. Mit solchen Menschen zu arbeiten, ist ein ziemlich guter Grund, auch an anstrengenden Tagen weiterzumachen.












