FermentWelten – Über die Entstehung eines wissenschaftlichen Kommunikations- und Beratungsprojektes während der Promotion

Till Popkes van Oepen und Miriam Popkes

Mitarbeitende über das MPI - April 2021
Ein Beitrag von Laura Wester.

Wenn man Miriam und Till am MPI für Biologie des Alterns trifft und fragt, was es für Neuigkeiten gibt, berichten sie häufig mit strahlenden Augen von einem ihrer vielen interessanten Projekte. Till arbeitet derzeit als Postdoktorand in der Abteilung von Adam Antebi. In seinen Studien nutzt er einen kleinen Wurm als Modellorganismus, um die Genetik hinter Alterungsprozessen zu untersuchen. Miriam arbeitet in der Forschungsgruppe von Dario Valenzano und konzentriert sich auf den Einfluss des Darmmikrobioms während des Alterns.
Neben ihren erfolgreichen wissenschaftlichen Studien haben Miriam und Till das Wissenschaftskommunikations- und Gesundheitsberatungsprojekt „FermentWelten“ ins Leben gerufen. Bei FermentWelten dreht sich alles um das Mikrobiom, die Darmgesundheit und fermentierte Lebensmittel. Auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Kanal mit 5000 Followern kommunizieren sie regelmäßig wissenschaftliche Fakten, räumen mit Missverständnissen in den öffentlichen Medien auf und teilen Fermentationsrezepte.

Miriam und Till, Ihr habt Eure persönlichen und wissenschaftlichen Interessen kombiniert, um FermentWelten zu initiieren. Könnt ihr Euer Hauptziel dahinter beschreiben? Was ist Euer angestrebtes Publikum?

Das Hauptziel von FermentWelten ist es, der breiten Öffentlichkeit die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Darmgesundheitsforschung zu vermitteln und gleichzeitig mit einigen Mythen aufzuräumen, die durch Werbung und öffentliche Medien verbreitet wurden. Wir sehen ein enormes Potenzial in der bewussten Pflege unseres Darms und möchten Menschen mit Darmproblemen auf Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse helfen.
Eine Herausforderung besteht darin, die wissenschaftliche Sprache in klare, verständliche Botschaften für ein breites Publikum umzuwandeln und das Bewusstsein für die Bedeutung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu schärfen. Wir haben realisiert, dass Fermentation und Ernährung im Allgemeinen perfekte Aufmacher sein können, um das Interesse für diese höchst wichtigen Themen zu wecken.

FermentWelten ist ein Projekt, in das Ihr viel Herzblut gesteckt habt. Wie war der Weg von der Idee bis zur Realisierung? Wie viel Zeit verbringt Ihr normalerweise mit dem Projekt und was leistet Ihr, um es am Laufen zu halten?

Die Idee zu FermentWelten ist im Grunde aus Miriams Doktorarbeit entstanden. Uns wurde schnell klar, wie wichtig unser Mikrobiom und die Darmgesundheit tatsächlich für so viele Aspekte in unserem Leben sind. Gleichzeitig stellten wir fest, dass sich viele Menschen dessen immer noch nicht bewusst sind und dass es viele irreführende Informationen und Behauptungen gibt, die keine richtige wissenschaftliche Grundlage haben. Deshalb haben wir uns Anfang 2020 entschlossen, FermentWelten zu starten.
Es ist schwer zu sagen, wie viel Zeit wir in das Projekt stecken, da das stark von den Teilprojekten abhängt, die wir uns vorgenommen haben und auch von unserer verfügbaren Zeit - sicher ist, dass wir oft einige Stunden am Wochenende und am Abend damit verbringen. In dieser Hinsicht war die Pandemie definitiv hilfreich - denn in der freien Zeit gab es ohnehin nicht viel anderes zu tun! Gleichzeitig macht es natürlich sehr viel Spaß, so dass wir kaum merken, wie viel Zeit wir für FermentWelten aufwenden.

Wie sieht ein typisches FermentWelten-Projekt aus? Könnt ihr uns ein Beispiel nennen und wir ihr das Projekt ausgewählt und realisiert habt?

Teilprojekte können sehr unterschiedlich aussehen - sowohl was das Thema als auch die investierte Zeit angeht. Wir geben regelmäßig Interviews, zum Beispiel in vorproduzierten Podcasts oder auch live bei Instagram. Hier müssen wir neben der Zeit, die wir für das Interview selbst aufwenden, manchmal auch die Fragen vorbereiten oder die Vorabversionen Korrektur lesen. Ein Beispiel für ein großes Projekt ist die Erstellung unserer Website! Das hat mehrere Wochen gedauert und wir haben etliche Stunden investiert, da wir keine Vorerfahrung mit Webdesign, SEO und all den damit verbundenen Themen hatten.

Ihr habt FermentWelten während Eurer Promotionszeit ins Leben gerufen, eine ohnehin schon sehr arbeitsreiche, zeitaufwendige und manchmal überwältigende Phase. Wie habt Ihr das geschafft? Hat es Eure Arbeit als Wissenschaftler beeinflusst?

Einige Teile unseres wissenschaftlichen Lebens unterscheiden sich nicht allzu sehr von dem, was wir bei FermentWelten tun. Letztlich ist es immer wichtig, dass man seine Erkenntnisse kommunizieren kann - der Unterschied ist, wem man sie vermittelt. Bei FermentWelten konzentrieren wir uns darauf, wissenschaftliche Sprache in verständliche und interessante Botschaften zu übersetzen - und wir haben tatsächlich festgestellt, dass sich im Grunde jeder für Wissenschaft begeistern kann, wenn man sie richtig kommuniziert!
Natürlich kostet es eine Menge Zeit und Energie, ein so großes Nebenprojekt zu betreiben. Wir haben definitiv gelernt, klare Prioritäten und Zeitlimits zu setzen, sehr organisiert zu arbeiten - aber auch auf uns selbst zu hören und Pausen zu machen. Sonst ist der Spaß weg!

Was macht FermentWelten zu einem großen Nebenprojekt? Habt ihr auch finanzielle Investitionen getätigt?

FermentWelten ist ein großes Projekt, weil wir bereits viel Zeit investiert haben und dies auch weiterhin in unserer Freizeit tun werden - und weil wir so viele Ideen für die zukünftige Ausrichtung haben! Und ja, wir geben monatlich Geld für Website-Hosting oder Lizenzen für einige nützliche Anwendungen aus. Darüber hinaus haben wir auch in ein professionelles Logodesign, eine professionelle Website-Vorlage und Fotografie-Ausrüstung investiert. Langfristig wollen wir unsere Investitionen zurückgewinnen - zum Beispiel durch die Einbindung von Affiliate-Links in unseren Rezepten und auf unserer Website.

Was sind Eure Pläne für die Zukunft? Wird FermentWelten Teil Eures zukünftigen beruflichen Lebens sein? Wie hat die Realisierung Eures Projekts dabei geholfen, Zukunftsperspektiven zu definieren?

Es ist immer wichtig, die Perspektive zu wechseln und aus der eigenen Komfortzone herauszutreten, um auf persönlicher und beruflicher Ebene zu wachsen - das erleben wir mit FermentWelten. Gleichzeitig erweitern wir unser Netzwerk und beweisen die Bereitschaft, auch außerhalb der wissenschaftlichen Arbeit Eigeninitiative zu zeigen - das wird uns bei unseren zukünftigen Jobs auf jeden Fall helfen. Vor allem Miriam interessiert sich sehr für eine Karriere im Bereich des wissenschaftlichen Schreibens - hier fühlt sich FermentWelten wie ein toller Startpunkt an. Im Moment bekommen wir ein tolles Feedback und werden unsere Reise fortsetzen - mal sehen, welche Möglichkeiten sich ergeben!

Eure Leidenschaft und Euer Erfolg mit FermentWelten sind wirklich inspirierend. Was sind aus Eurer Sicht die besten Tipps und Tricks für den Start eines professionellen Nebenprojekts wie FermentWelten? Gibt es Voraussetzungen, die Ihr für besonders wichtig haltet, bevor man sich in ein solch selbständiges Projekt stürzt?

Eigentlich haben wir alles, was wir brauchen, während unserer Promotion gelernt - wissenschaftliche Projekte sind dem Start eines erfolgreichen, langfristigen Nebenprojekts sehr ähnlich! Es ist sehr wichtig, eine klare Vision zu haben, Pläne mit Meilensteinen zu machen und natürlich die Fortschritte und Ziele in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Ein klarer Fokus, Prioritäten und Zeitpläne sind der Schlüssel, um effizient zu arbeiten und sich nicht zu überfordern.
Unsere wichtigste Erkenntnis bislang: Man muss mit dem Perfektionismus brechen und einfach machen - am Ende nützen alle Pläne nichts, wenn man sie nicht umsetzt!

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