Tierhaltung

Die meisten unserer in Versuchen eingesetzten Tiere stammen aus eigener Zucht, einige kommen aus anderen Forschungsinstituten oder von spezialisierten, von den zuständigen Behörden kontrollierten Züchtern. Die Tierhaltung in unserem Tierhaus beruht auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Versuchstierkunde. Gut ausgebildete, erfahrene Tierpfleger sorgen gemeinsam mit Tierärzten und Biologen für eine tierschutzgerechte Haltung, die die vielfältigen Bedürfnisse der jeweiligen Versuchstiere berücksichtigt. Um unsere hohen Anforderungen an die Tierhaltung zu erfüllen, bilden wir jährlich Auszubildende als Tierpfleger aus. Die Unterbringung der Tiere entspricht ihren artspezifischen Grundbedürfnissen. Soweit keine medizinischen oder experimentellen Gründe dagegen sprechen, werden zum Beispiel Mäuse in Familien- oder Geschwistergruppen gehalten. Die Käfige bieten Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten; großer Wert wird auf Hygiene und Sauberkeit als Grundvoraussetzung für die Gesundheit der Tiere gelegt.

Die sorgfältige und aufwendige Tierhaltung ist nicht zuletzt im ureigenen Interesse der Wissenschaft: Nur mit gesunden Tieren, die in stressfreien Verhältnissen artgerechter Tierhaltung leben, können in Tierversuchen verwertbare wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden.

Zucht und Haltung der Tiere wie auch die Durchführung der Versuche werden von unserer Tierschutzbeauftragten wie auch von den zuständigen Behörden überprüft. Die Wissenschaftler planen die Versuche gemeinsam mit dem Tierhausleiter und der Tierschutzbeauftragten des Instituts, um sicherzustellen, dass die Tiere so wenig wie möglich belastet werden.

Fruchtfliegen – Haltung

Fruchtfliegen leben unter genau kontrollierten Bedingungen in Klimakammern. Für ein optimales Wachstum benötigen sie eine Temperatur von 25 Grad, 65 Prozent Luftfeuchtigkeit und einen Licht-Dunkelrhythmus von zwölf Stunden. Die Fliegen werden in kleinen Plastik- oder Glasbehältern gehalten, die mit einem luftdurchlässigen Pfropfen aus Schaumstoff oder Baumwolle verschlossen werden.

Der Gefäßboden ist mit der Nahrung für die Fliegen bedeckt. Obwohl sie als „Fruchtfliege“ bezeichnet wird, ernährt sich Drosophila nicht von pflanzlichen Bestandteilen, sondern von den auf den Früchten lebenden Hefezellen. In unserer Tierhaltung erhalten die Fliegen daher standardisierte Mischungen aus Hefe und Zucker.

Die Forscher untersuchen die Tiere in speziell ausgerüsteten Fliegenlaboren. Für ihre Analysen betäuben sie die Tiere mit Kohlendioxid und sortieren sie unter dem Mikroskop nach Geschlecht oder äußeren Merkmalen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Tests, mit denen Wissenschaftler die Fitness und das Verhalten der Tiere beobachten können.

Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Klettertest, der ausnützt, dass Fliegen meist nach oben laufen. In diesem Test werden die Fliegen auf den Boden des Gefäßes geklopft. Anschließend messen die Wissenschaftler, wie schnell die Insekten wieder nach oben laufen. Da die Klettergeschwindigkeit mit dem Alter oder bei Demenzerkrankungen abnimmt, lässt sich so der Einfluss eines Medikaments oder Nahrungsbestandteils beobachten.

Haltung und Zucht des türkisen Prachtgrundkärpflings

Der türkise Prachtgrundkärpfling, auch Killifisch genannt, ist das kurzlebigste Wirbeltier, welches im Labor gehalten und gezüchtet werden kann. Die Fische leben in Haltungstanks, welche 2,8 Liter Wasser fassen. Das Wasser in den Tanks hat einen definierten Salz- und pH-Gehalt und eine konstante Temperatur von 28 °C. Die Fische werden bei einem Licht-/Dunkelrhythmus von zwölf Stunden gehalten. Ein stetiger Wasserwechsel durch eine zentrale Filteranlage minimiert die Anzahl an Keimen die in den Wasserkreislauf gelangen. Die Fische werden zweimal pro Tag mit lebendigen roten Mückenlarven und Salzwasserkrebsen gefüttert.

Die Zucht des türkisen Prachtgrundkärpflings ahmt die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere in der Natur nach. Die Fische leben in Afrika in Tümpeln, die nur zur Regenzeit für wenige Monate Wasser enthalten. Trocknen die Tümpel aus, überleben die Embryos in einer Art Dauerschlaf, genannt „Diapause“ die oft monatelange Trockenzeit.  Im Labor werden die Embryos für eine Woche in einer Lösung (Methylenblau) gehalten, welches den Pilzbewuchs reduziert. Dann verbringen sie 4-5 Wochen im Inkubator bei 28 °C auf einem trockenen Substrat. Die geschlüpften Fische werden zunächst in kleinen Tanks von 0,8 Liter Volumen gehalten und mit eigens gezüchteten Salzwasserkrebsen gefüttert, bis sie nach einer Wochen in größere Tanks gebracht werden.

Maushaltung

In unserer Tierhaltung leben die meisten Mäuse in Gruppenhaltung. Jungtiere werden nach der Säugeperiode von der Mutter getrennt und in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten. Lediglich ausgewachsene Männchen müssen häufig einzeln gehalten werden, wenn sie zuvor mit einem Weibchen verpaart waren, denn dann werden sie so dominant, dass sie nicht mehr in einer Gruppe gehalten werden können.

Die Käfige für die Mäuse bestehen aus transparentem Kunststoff und haben eine Fläche von mindestens 370 Quadratzentimetern. Je nach Körpergewicht leben darin zwischen drei und sechs Tiere. Die Käfige sind 14 Zentimetern hoch und werden von einem Gitterdeckel abgeschlossen, den die Tiere zum Klettern verwenden. Darin befinden sich die Futtertraufe und eine Trinkflasche.

Jeder Käfig enthält Einstreu aus Holzspänen oder -chips. Kleine Verstecke aus rotem, transparentem Kunststoff – sogenannte Maushäuser – dienen als Rückzugsmöglichkeiten, Papierstreifen, Holzwolle oder Hanf ermöglichen den Nestbau und bieten Beschäftigung. Ein standardisiertes Alleinfuttermittel in Pellet-Form deckt vollständig den Nährstoffbedarf und steht ebenso wie Wasser immer zur freien Verfügung.

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