Wissenschaft trifft Jazz

AGE ART | 24. November 2017 | 19:00 - 21:00

** Eine Bildergalerie des Events finden Sie unten **

Was für ein Abend! Die Mitglieder der WDR-Big Band begeisterten die Besucher des 2. AGE ART Events mit ihrer herausragenden Performance von klassischem und modernem Jazz.

Das Konzert mit dem Titel „Jazz@100“ präsentierte Gedanken über das Vergehen der Zeit und die Herausforderungen eines langen Künstlerlebens. Die Jazz Legenden Gillespie, Fitzgerald und Monk, alle im Jahre 1917 geboren, haben ihren 100. Geburtstag zwar nicht erlebt, waren aber durch ihre Musik im Auditorium lebendig.

Das Programm begann mit dem Stück „Tin Tin Deo“ von Gil Fuller und Chano Pozo in der Version von Dizzy Gillespie, gefolgt von „Blue Skies“ von John Irving und „In Walked Bud“ von Thelonious Sphere Monk.

Um diese Jazzlegenden voll zu würdigen, gab uns John Goldsby eine kurze Präsentation der Künstler in ihren produktiven Jahren, von der Jugend bis ins Alter. Obwohl ihr Leben oft durch unglückliche Umstände verkürzt wurde, erfuhren wir, dass sie doch bis zum Ende sehr produktiv waren.

Nach der Präsentation folgten mehr Klassiker. Mit kurzen Ausschnitten aus Jazz-Meisterwerken konnte jeder Solist die Emotionen der Musik perfekt einfangen. Das Ensemble wärmte das Publikum mit einem Stück von Dizzy Gillespie "I Waited For You" und "Evidence" von Monk auf.

Anschließend hielt Dr. Dario Riccardo Valenzano vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns einen faszinierenden Vortrag über evolutionäre Modelle des Alterns, einschließlich seines Modellorganismus für das Altern, dem afrikanischen türkisfarbenen Prachtgrundkärpfling, auch Killifisch genannt. Sein Vortrag "Wildes Altern: neue Erkenntnisse aus einem kurzlebigen afrikanischen Fisch" umfasste eine Reihe von Themen, darunter einen Blick auf unsere Faszination für die Jugend im Laufe der Jahrhunderte, den Einsatz von Modellorganismen in der Alternsforschung, Demografie der alternden Bevölkerung auf der ganzen Welt und neue Forschungsergebnisse aus seiner Gruppe. Der Vortrag hat sicherlich die Vorstellungskraft dessen geprägt, was die Alternsforschung in Zukunft für eine Verlängerung der gesunden Lebensspanne leisten kann.

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte das Jazz Quartett ein von Barnett und Goldsby eigens für den Abend komponiertes Stück „Die Killifisch Suite“.

Um diese Komposition voll zu würdigen, brauchte man nicht nur ein gut gestimmtes „Jazz-Ohr", sondern auch eine lebhafte Fantasie. John Goldsby stellte eine Illustration der tatsächlichen Komposition mit Erklärungen der musikalischen Struktur zur Verfügung, die die vier Stadien der Lebensspanne widerspiegelte. Die von Julia Goldsby entworfene Illustration zeigte einen feinen Sinn für Humor.

Das Stück begann mit einem zarten afrikanischen Beat gefolgt von einem Posaunensolo mit weichen und mystisch gedämpften Schwung, welches den  Beginn des Lebens wiederspiegelte. Während des gesamten Stücks fühlt sich der Zuhörer fast so, als würde er durch die Zeit reisen, durch die Lebensphasen, von der Geburt bis zum Ende des Lebens, eine ganze Landschaft von vorübergehendem Zustand. Ein Highlight des Stücks war das Mini-Duett zwischen Bass und Posaune.

Die knapp 200 Zuschauer gingen bis zum Schluss mit dem Rhythmus mit, als der Pianist Forian Ross den letzten Takt einer tickenden Uhr schlug.

Unsere nächste Veranstaltung am 4. Mai 2018 ist eine Kunstausstellung und ein Vortrag von Dr. Christian Haass über Neurodegeneration. Es lohnt sich auf jeden Fall vorbei zu kommen.

(Helen Antebi)