Hinter den Kulissen der Fisch Facility

Die Herausforderungen und Freuden der Killifischpflege

Der türkise Prachtgrundkärpfling (Nothobranchius furzeri) ist ein kleiner Fisch, der in Tümpeln und Pfützen in Simbabwe und Mosambik lebt. Da dieser Fisch in Teichen lebt, die während der Trockenzeit völlig austrocknen, stellen die Embryonen ihre Entwicklung ein, während sie noch durch ihr dickes Chorion (Membran, die ein befruchtetes Ei umgibt) geschützt sind, und überleben im trockenen Boden vergraben, bis die nächste Regenzeit kommt. Sobald der Regen einsetzt, entwickeln sich die Fische schnell und erreichen die Geschlechtsreife in etwa eineinhalb Monaten. In Gefangenschaft können türkise Prachtgrundkärpflinge zwischen sechs Monaten und einem Jahr alt werden, was diese Art zu dem am kürzesten lebenden Wirbeltier macht, das für Forschungszwecke gezüchtet wird. Der Fisch zeigt während seines Lebens deutliche altersbedingte Veränderungen in Aussehen, Verhalten und vielen biologischen Prozessen. Daher haben in letzter Zeit nur wenige andere Tiere die Aufmerksamkeit und Fantasie der Altersforscher so sehr auf sich gezogen wie dieser kleine Fisch.

Christina Paetzold und Mattias Werres arbeiten als Tierpfleger im Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, wo sie sich um das Wohlergehen der Prachtgrundkärpflinge kümmern und Forschende bei ihrer Arbeit mit diesem Organismus beraten und unterstützen.

Ein Beitrag von Mihaela Mihaljevic und Jonas Goergens

Wie seid ihr Tierpfleger:in geworden?

Christina: Ich bin eigentlich keine ausgebildete Tierpflegerin, sondern eine Tiermedizinische Fachangestellte. Meine Ausbildung habe ich in einer Praxis absolviert. Ich wollte meine Arbeit aber mehr auf den Forschungsaspekt fokussieren und bin deshalb an unser Institut gekommen.

Mattias: Ursprünglich wollte ich nicht Tierpfleger werden. Ich habe angefangen, Sozialpädagogik zu studieren, habe aber schnell das Interesse daran verloren. Da ich schon immer ein Fan von Tieren war, dachte ich, dass der Beruf des Tierpflegers eine gute Alternative für mich sein könnte. Mein Ziel war es zunächst auch, in eine Tierklinik zu gehen, aber die Forschung stellte sich als interessanter und besser bezahlt heraus. Ich habe meine Ausbildung am Wissenschaftlichen Geflügelhof in Rommerskirchen absolviert. Diese beinhaltete die Arbeit mit größeren Tieren und zusätzliche Praktika in anderen Instituten.

Wie kamt ihr beide dann auf die Idee, mit Fischen zu arbeiten?

Mattias: Ich bin mehr oder weniger in die Arbeit mit Fischen hineingestolpert. Zuerst habe ich mich auf eine Stelle bei den Mäusen im Institut beworben, wurde dort aber nicht genommen. Als ich am Institut anfing, hatte Dario Valenzano, einer der Pioniere der Prachtgrundkärpflingforschung, gerade sein Labor an unserem Institut eröffnet und suchte Leute, die sich um die Fische kümmern. Also wurde mir die Stelle angeboten und ich arbeite seitdem mit Fischen.

Christina: Eigentlich begann meine Arbeit mit den Prachtgrundkärpflingen auch durch Zufall. Ursprünglich sollte ich mit Mäusen arbeiten, aber Mattias brauchte Hilfe und so wurde ich ihm zugeteilt *lacht*.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für euch aus?

Christina: Der Ablauf eines Arbeitstages kann sehr flexibel sein, je nachdem, wie viele Fischlinien momentan am Institut gezüchtet werden und wie viele Experimente laufen. Ein typischer Tag beginnt um 5:45 Uhr und endet um etwa 15:00 Uhr. Normalerweise beginnen wir unseren Tag im Labor, wo wir Puffer vorbereiten und uns um das Brüten und Schlüpfen der Eier kümmern, bevor wir in die Tieranlage gehen, um uns um die Fische zu kümmern. Dazu gehört das Füttern und die Instandhaltung der Aquariensysteme, die wir dort unten haben. Die Fütterungszeiten hängen davon ab, ob es Sommer- oder Winterzeit ist. Normalerweise machen wir dann gegen 9:30 Uhr Pause, bevor wir wieder ins Labor und in die Tieranlage gehen. Tagsüber kümmern wir uns auch um die allgemeinen Arbeiten, d. h. wir bestellen Vorräte und setzen uns mit den Technikern in Verbindung, falls in der Anlage etwas kaputt geht, oder warten die Geräte selber.

Mattias: Seit Dario weg ist, hat sich die Zahl der aktiven Fischlinien drastisch verringert, und deshalb liegt der Schwerpunkt hauptsächlich auf der Laborarbeit und der Verwaltung der Anlagen. Das ist ehrlich gesagt etwas frustrierend für Christina und mich, denn wir würden gerne mehr praktische Arbeit mit den Fischen machen.

Was gefällt euch am meisten an eurer Arbeit und insbesondere an der Arbeit mit Prachtgrundkärpflingen?

Mattias: Wie Christina schon sagte, können wir unseren Tag sehr flexibel gestalten und haben keine strikten Zeitpläne wie bei der Arbeit mit Mäusen. Außerdem gefällt mir, dass wir sowohl in der Tieranlage als auch im Labor arbeiten können, einschließlich praktischer Arbeit und Computerarbeit. Außerdem ist es toll, die Entwicklung der Fischembryonen durch die durchsichtigen Eischalen in Echtzeit zu beobachten, und es macht Spaß, zu sehen, wie die Fische schlüpfen und wachsen. Auch wenn die Fische für einen Laien gleich aussehen, kann man sie mit etwas Übung gut unterscheiden, beispielsweise an ihrer Färbung. So wachsen einzelne Fische einem richtig ans Herz.

Christina: Mir gefällt auch der Schwerpunkt unserer Arbeit im Labor, da ich so sehr spezielle Techniken erlernen und anwenden kann. Ich habe mich zum Beispiel auf das Einfrieren von Spermien spezialisiert, um die Erhaltung von Fischlinien zu ermöglichen. Genau wie Mattias liebe ich es auch, unsere Fische aufwachsen zu sehen. Für mich und Mattias sind die Fische wie Kinder, denn wir begleiten sie vom Schlüpfen über den Transfer ins System und letztlich auch ins Alter. Ich freue mich jedes Mal darauf, zu den Fischen zu gehen.

Was ist die größte Herausforderung bei eurer Arbeit?

Mattias: Die Verwaltungs- und Overhead-Arbeit, um ehrlich zu sein. Es kostet viel Zeit, Sachen zu bestellen und den Support zu kontaktieren, und wir würden diese Zeit lieber direkt in die Tierarbeit investieren. Auch die Dokumentation unserer Arbeit ist ein schwieriges Thema. In Deutschland muss jede Tierarbeit gründlich dokumentiert werden. Während es für Mäuse eine gute digitale Dokumentationssoftware gibt, ist diese für die sehr kurzlebigen Prachtgrundkärpflinge oft nicht geeignet. Wir dokumentieren also immer noch größtenteils per Hand und sind weiterhin auf der Suche nach einer geeigneten Software.

Christina: Wir würden gerne den organisatorischen Aufwand verringern und unseren Arbeitsablauf ändern. Wir wollen die Einrichtung zu einem Dienstleister für die Wissenschaftler umstrukturieren, bei dem sie Züchtungen und Genotypisierungen von Fischlinien in Auftrag geben können und wir uns darum kümmern.

Was würde euch die Arbeit erleichtern? Gibt es etwas, das speziell die Wissenschaftler:innen, die mit euch arbeiten, tun könnten, um euch zu helfen?

Mattias: Eine Sekretärin *lacht*

Christina: Wir würden es begrüßen, wenn die Leute versuchen würden, mehr mit uns zu kommunizieren, und wenn sie uns ihre Versuchspläne und Entwürfe mitteilen würden. Viele Wissenschaftler:innen behalten ihre Ideen und Pläne oft sehr für sich, während es für uns viel einfacher wäre, euch zu helfen, wenn ihr eure Pläne mit uns teilen würdet. Fangt bitte auch an, hinter euch aufzuräumen. Wir können einzelne Forschende jetzt an dem Chaos erkennen, das sie hinterlassen *lacht*.

Gibt es etwas in eurem Beruf, von dem keiner eurer Kolleg:innen weiß? Vielleicht ein Geheimnis?

Mattias: Ja, dass wir tatsächlich arbeiten und nicht nur Pausen machen *lacht*. Aber im Ernst: Es gibt so gut wie keine Kommunikation zwischen der Tierstation im Untergeschoss und dem Rest des Instituts, so dass unsere ganze Arbeit für alle anderen ziemlich mysteriös erscheinen muss. Aber jeder ist herzlich eingeladen, einen Tag mit uns zu verbringen, um zu sehen, was wir jeden Tag tun.

Christina: Diese Isolation vom Rest des Instituts hat Mattias und mich zu besten Freunden gemacht, einfach weil wir so viel Zeit miteinander verbringen. Das ist vielleicht etwas, das viele Leute nicht über uns wissen.

Hat euch eure Ausbildung zum Tierpfleger bisher in Alltagssituationen geholfen?

Christina: Nicht direkt durch meine Erfahrung in der Tierpflege, aber durch meine Ausbildung zur Tiermedizinische Fachkraft konnte ich meinen Eltern helfen, als eines ihrer Haustiere krank wurde. Ansonsten erwähne ich meinen Beruf normalerweise nicht im Alltagsgespräch. Leider gibt es immer noch viele Vorurteile gegen Tierpfleger:innen in der Forschung.

Mattias: Ich kann meine Erfahrung jedes Mal anbringen, wenn ich mit meinen Hunden und Katzen zu tun habe. Ich bin auch sehr offen dafür, mit Menschen über den Beruf des Tierpflegers zu sprechen. Natürlich gibt es viele Menschen mit Vorurteilen, aber meiner Erfahrung nach hilft es, mit ihnen über ihre falschen Vorstellungen zu sprechen.

Du hast bereits erwähnt, dass du Katzen und Hunde zu Hause hast, Mattias. Habt ihr beide noch mehr Tiere zu Hause?

Mattias: Ja, einen ganzen Zoo! Zwei Hunde, zwei Katzen und zwei Papageien. Ich habe sie alle seit mindestens 5 Jahren und einige von ihnen seit mehr als einem Jahrzehnt.

Christina: Meine Eltern besitzen zu Hause einen halben Zoo, aber ich persönlich habe nur einige Aquarien mit Garnelen und Neonsalmlern. Ich mag die verschiedenen Garnelen, die ich habe, sehr. Die Fische sind aber irgendwie langweilig *lacht*.

Was tut ihr, um euch von der Arbeit zu erholen?

Christina: Ich entspanne mich gerne, indem ich einen Latte Macchiato trinke und einfach in meiner Wohnung oder einem Café sitze. Ansonsten liebe ich es, zu dekorieren, vor allem Wohnungen. Einige meiner Freunde haben mich schon gebeten, ihre Wohnungen einzurichten und zu dekorieren, und es war fantastisch!

Mattias: Mit den ganzen Tieren zu Hause, bin ich auch zu Hause Tierpfleger *lacht*. Aber ich liebe es auch zu zeichnen und zu malen und ich denke darüber nach, einen Online-Shop für meine Bilder zu eröffnen. Ich bin offen für Auftragsarbeiten, falls jemand interessiert ist!

 

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