Bestimmen unsere Gene wie alt wir werden?
Die genetische Veranlagung jedes Menschen hat einen Einfluss auf den Alterungsprozess und damit auf die persönliche Lebenserwartung. In früheren Studien wurde die Lebensspanne eineiiger Zwillinge beim Menschen verglichen und der Einfluss der Gene auf etwa 10-15 Prozent geschätzt [Melzer et al. 2020]. Diese Werte berücksichtigen jedoch nicht, dass Menschen oft durch äußere Einflüsse wie Unfälle oder Infektionen sterben („extrinsische Mortalität“). Eine neue Analyse mit mathematischen Modellen und Daten von gemeinsam und getrennt aufgewachsenen Zwillingen korrigiert diesen Effekt: Betrachtet man nur Todesfälle aufgrund innerer, biologischer Ursachen („intrinsische Mortalität“), liegt die Vererblichkeit bei über 50 Prozent [Shenhar et al. 2026].
Alterung wird also maßgeblich sowohl durch unsere Gene als auch durch Lebensstil und äußere Einflüsse bestimmt.
Bei einigen Modellorganismen ist bekannt, dass Gene einen direkten Einfluss auf die Lebenserwartung haben. Sowohl beim Fadenwurm Caenorhabditis elegans als auch bei der Fruchtfliege Drosophila melanogaster führt das Ausschalten bestimmter Gene sogar zu einer Verdoppelung der Lebenserwartung [Piper & Partridge 2018, Tissenbaum 2015]. Die Tatsache, dass sich solche lebensverlängernden Genmutationen in der Natur nicht etabliert haben, deutet jedoch darauf hin, dass die negativen Auswirkungen der Genmutationen die Vorteile der Langlebigkeit überwiegen.
Aktualisiert Februar 2026
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Quellenangaben:
- Melzer D, Pilling LC, Ferrucci L (2020) The genetics of human ageing. Nat Rev Genet 21(2):88-101.
- Piper MDW, Partridge L (2018) Drosophila as a model for ageing. Biochim Biophys Acta Mol Basis Dis 1864(9 Pt A):2707-2717.
- Tissenbaum HA (2015) Using C. elegans for aging research. Invertebr Reprod Dev 59(sup1):59-63.











