Was ist das biologische Alter und wie kann man es messen?

Kurz gesagt: Das biologische Alter beschreibt, wie weit Alterungsprozesse im Körper fortgeschritten sind. Es lässt sich derzeit nicht mit einem einzelnen Test präzise bestimmen. Methoden wie epigenetische Uhren, Blutmarker, Telomerlänge sowie körperliche und kognitive Tests liefern Hinweise auf verschiedene Aspekte des Alterns, sind aber bislang keine etablierte Diagnostik für Einzelpersonen.

Wenn man nach dem Alter gefragt wird, nennt man meist das chronologische Alter, also die Anzahl der Jahre seit der Geburt. Dieses Alter sagt jedoch nur begrenzt etwas darüber aus, in welchem Zustand sich der Körper tatsächlich befindet. Zwei Menschen können gleich alt sein, sich aber körperlich und gesundheitlich deutlich unterscheiden: Während eine Person mit 50 Jahren noch problemlos einen Marathon laufen kann, ist eine andere vielleicht schon beim Treppensteigen erschöpft.

Das biologische Alter soll beschreiben, wie stark biologische Alterungsprozesse im Körper bereits fortgeschritten sind. Es gibt aber nicht das eine biologische Alter. Verschiedene Organe und Gewebe können unterschiedlich schnell altern. So kann sich das biologische Alter des Gehirns, des Herzens oder der Niere vom biologischen Alter anderer Körperbereiche unterscheiden. Solche organbezogenen Alterungsprofile sind ein wichtiges Forschungsfeld, aber bislang noch keine etablierte Diagnostik für Einzelpersonen (Oh HS et al., 2023).

Es gibt verschiedene Ansätze, um biologisches Alter oder altersbezogene Veränderungen zu messen:

  • Epigenetische Tests: Diese Tests messen chemische Veränderungen an der DNA, sogenannte DNA-Methylierungsmuster, die sich mit dem Alter verändern. Auf dieser Grundlage wurden sogenannte epigenetische Uhren entwickelt (siehe FAQ „Was ist die epigenetische Uhr?“).
  • Telomerlänge: Telomere sind Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, die sich bei vielen Zellteilungen verkürzen können. Ihre Länge wurde daher als möglicher Marker für Alterungsprozesse untersucht. Allerdings ist die Telomerlänge individuell sehr unterschiedlich und wird von vielen Faktoren beeinflusst, sodass sie allein nur begrenzt Auskunft über das biologische Alter gibt (Bekaert S et al., 2005;Mather KA et al., 2011).
  • Marker im Blut und anderen Körperflüssigkeiten: Bestimmte messbare Werte im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten können Hinweise auf altersbezogene Veränderungen geben. Dazu gehören zum Beispiel Entzündungsmarker, Stoffwechselwerte wie Glukose oder Insulin, Hormonspiegel oder Marker des Immunsystems (Jylhava J et al., 2017). Die Forschungsgruppe Deelen am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns untersuchte beispielsweise den Zusammenhang zwischen Metabolomik und der voraussichtlichen Überlebenszeit und identifizierte einen Satz von 14 metabolischen Markern (Deelen J et al., 2019). Darüber hinaus gibt es sogenannte „proteomic aging clocks“, die auf der Messung von Proteinmengen in Körperflüssigkeiten basieren (Argentieri MA et al., 2024;Rutledge J et al., 2022).
  • Physiologische Tests: Diese Tests erfassen die Funktion verschiedener Organe und Körpersysteme, zum Beispiel Lungenkapazität, Blutdruck, Seh- und Hörvermögen, Herz-Kreislauf-Fitness, Muskelkraft oder Gelenkbeweglichkeit.
  • Kognitive Tests: Kognitive Tests untersuchen verschiedene Bereiche des Denkens, darunter Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Problemlösungsfähigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Da Altern ein komplexer Prozess ist, ist wahrscheinlich eine Kombination mehrerer Messmethoden am aussagekräftigsten. So können verschiedene Ebenen des Alterns berücksichtigt werden. Viele Messmethoden, etwa epigenetische Uhren oder proteomische Alterungsuhren, beruhen auf großen Datensätzen und statistischen Zusammenhängen mit Alter, Krankheitsrisiken oder Überleben. In der Forschung sind solche Verfahren sehr wertvoll und können wichtige Hinweise auf altersbezogene Veränderungen liefern. Bei der Interpretation individueller Testergebnisse ist jedoch Vorsicht geboten, da verschiedene Tests unterschiedliche Aspekte des Alterungsprozesses erfassen und Ergebnisse vom jeweiligen Verfahren und Kontext abhängen können. Kommerzielle Tests können daher interessante Informationen liefern, sollten aber nicht als alleinige Grundlage für medizinische oder gesundheitliche Entscheidungen verstanden werden.

Am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns können wir das biologische Alter von Einzelpersonen leider nicht bestimmen. Unsere Forschung konzentriert sich auf grundlegende wissenschaftliche Fragestellungen. Dafür verwenden wir unter anderem Proben aus klinischen Studien oder Daten aus Biodatenbanken. Tests an Privatpersonen führen wir nicht durch.

Aktualisiert am 1.7.2026

Forscher können die Anfälligkeit älterer Menschen für Krankheiten anhand bestimmter Substanzen im Blut erkennen

Mehr FAQs zum Thema Altern

Quellenangaben:

 

Zur Redakteursansicht